Pressestimmen

WDR Lokalzeit Dortmund am 26.2.07

Software-Pionier feiert 50-jähriges

Was heute nur noch wenige wissen: In Dortmund finden sich die Wurzeln für die moderne Computer-Technologie. Heute ist es genau 50 Jahre her, dass hier der "Mathematische Beratungs- und Programmierdienst" gegründet wurde. Der MBP war das erste Software-Systemhaus in Europa überhaupt. Wir erinnern an diese Anfänge des Computer-Zeitalters und sprechen mit Bernhard Tillmann aus Dortmund, der damals Assistent des PC-Erfinders Konrad Zuse war.

 

WDR Lokalnachrichten Dortmund am 26.2.07

Europas ältestes Software-Systemhaus wird 50

In Dortmund ist heute vor 50 Jahren der "Mathematische Beratungs- und Programmierdienst" gegründet worden. Er entwickelte Anwendungen für Großrechenmaschinen in Unternehmen. MBP war das erste Software-Systemhaus in Europa und hatte zeitweise 750 Beschäftigte. Zu den Gründern gehörten VEW, die Friedrich Uhde GmbH, die Konsumgenossenschaft Dortmund-Hamm, die Dortmunder Stadtwerke Dortmund und der Stahlriese Hoesch.

Quelle:

 

Ruhrnachrichten am 22.2.07

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Westfälische Rundschau am 16.2.07

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Als Computer noch Elektronengehirne hießen

 

Ein Entwickler der ersten Stunde und einer, der die Computer zu einem Massenartikel machte: 1995 trafen Konrad Zuse und Bill Gates am Rande der Messe Cebit zusammen. In der Mitte Bernhard Tillmann. (Bild: Jo Schwartz)

 

Es gibt so viel Denkwürdiges, seitdem die elektronische Datenverarbeitung die Welt veränderte. Kaum vorstellbar, dass man Dortmund damit verortet. Ein Jubiläum aber wird daran erinnern, dass hier am 26. Februar vor 50 Jahren das erste Softwarehaus Europas gegründet wurde. 14 heimische Unternehmen hoben damals "mbp" aus der Taufe - Bill Gates war gerade 16 Monate alt.

Bernhard Tillmann ist auf jeden Fall dabei, wenn in der "Rohrmeisterei" in Schwerte ein "Sympathisanten"-Treffen der ehemaligen Mitarbeiter stattfindet. Der Technik-Historiker ist als ehemaliger Assistent und Manager des Berliner Computer-Erfinders Konrad Zuse derart mit der Szene verdrahtet, dass ihm die mbp-Geschichte zur eigenen geworden ist.

Von der Lochkarte zum Rechner

Hoesch, Burghardt & Bröckelschen, Wagner-Werkzeugmaschinen, Rheinstahl Union, Stadtwerke, Uhde, Orenstein & Koppel, VEW, Gelsenkirchener Bergwerke, Kaufhaus Küster, Klöwer & Wiegmann, Konsum, Otto Büchler und das Dörnen Stahbauwerk waren Gründer des Mathematischen Beratungs- und Programmierdienstes.

Nach Zuses Entwicklung des ersten Computers "Z1" 1938 erkannte man die Möglichkeiten der Elektronengehirne in der Datenverarbeitung. Die USA entwickelte parallel, "und das Wichtigste war damals, dass Deutschland nicht zu weit hinter den USA zurückfiel", so Tillmann. Inventur, Rechnungsschreibung, Berechnung von Großgeräten, Brücken, elektrischen Schwingungen - es gab eine Menge Einsatzmöglichkeiten.

"Man hatte damals in Industrie und Handel noch kein Wissen darüber", so Tillmann - mbp brachte allen die Welt des elektronischen Rechnens näher. Dr. Hans-Gerd Pärli stieß damals zum "mbp"-Gründer Dr. Hans Konrad Schuff. Pärli - er übernahm später die Außendarstellung -der Firma, hatte den Chef des Arbeitsamts, Ahl, getroffen. "Der sagte ihm, da ist ein ganz Verrückter, der will etwas Neues machen." Es war der Mathematiker Schuff. Tillmann präzisiert: "Das Genie Schuff." Er vergisst aber auch nicht, die IHK zu erwähnen. Sie habe die Gründung der Firma massiv unterstützt.

Der erste Auftrag kam von der Hörder-Hüttenunion. Es galt, die Lochkartentechnik auf Computer umzustellen. Der erste Vortrag fand am 2. Juli 1957 statt und war noch kostenlos. Schon 1958 gab es die ersten Programmiererschulungen. Tillmann: "Es wurden über 300 Mann ausgebildet, die von Dortmund aus das Computerwissen in die deutsche Wirtschaft trugen - sie wurden allgemein ,Pärlimänner´ genannt."

1959 erwirtschaftete mbp einen Umsatz von 46 000 DM mit 22 Mitarbeitern, 1961 lag er bereits bei 940 000 DM mit 36 Mitarbeitern. 1966 seien in Deutschland bereits 700 Computer installiert gewesen. 1971 übernahm Hoesch sämtliche Geschäftsanteile, es wurde weiter expandiert. Nach der Übernahme von Hoesch verkaufte Krupp1993 mbp an EDS - ein US-Unternehmen mit 143 000 Mitarbeitern weltweit. Das Geschäft ging und geht von Dortmund aus weiter.

Der Name mbp erlosch. In der Geschichte der elektronischen Datenverarbeitung ein erloschener Stern - der in der nächsten Woche aber noch einmal hell strahlen soll.

16.02.2007   Von Dirk Berger

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